Schließung der Container-Anlage in Herrlingen: Alb-Donau-Kreis baut Unterbringungskapazitäten weiter zurück

Das Bild zeigt ein Zimmer der Container-Anlage in Blaustein

Der Alb-Donau-Kreis schließt die Gemeinschaftsunterkunft zur vorläufigen Unterbringung von Geflüchteten in Blaustein-Herrlingen zum 15. Juli 2026. Nach rund vier Jahren endet damit der Betrieb der Containeranlage mit derzeit 108 Plätzen.

In der Gemeinschaftsunterkunft wurden Geflüchtete während ihres Asylverfahrens, längstens jedoch für 24 Monate, vorläufig untergebracht, bevor sie den kreisangehörigen Städten und Gemeinden in der Anschlussunterbringung zugewiesen werden.

Temporäre Lösung endet wie vereinbart

Die Unterkunft in Herrlingen war von Beginn an als vorübergehende Lösung angelegt. Begonnen wurde das Vorhaben im Sommer 2022 infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine mit zunächst 48 Containern. Im Jahr 2024 wurde die Anlage um weitere 28 Container erweitert. Insgesamt umfasst die Gemeinschaftsunterkunft 76 Container. Die Einrichtung entstand im engen Dialog mit der Bürgerschaft.
 
Mit der Schließung werden zugleich die von Anfang an getroffenen Absprachen zur zeitlichen Befristung eingehalten. „Für uns als Stadt war immer wichtig, dass die Gemeinschaftsunterkunft eine vorübergehende Lösung bleibt und die Vereinbarungen zur Dauer der Nutzung verlässlich eingehalten werden“, betont Blausteins Bürgermeister Konrad Menz. „Dass dies nun so umgesetzt wird, ist ein wichtiges Signal für die Bürgerschaft und zeigt, dass auf die Absprachen zwischen Stadt und Landkreis Verlass ist.“
 
Auch aus Sicht des Landkreises war die enge Abstimmung mit der Stadt und der Bevölkerung ein wesentlicher Faktor. „Wir wissen, dass die Gemeinschaftsunterkunft von vielen Bürgerinnen und Bürgern in Blaustein kritisch gesehen wurde. Umso mehr danken wir allen, die daran mitgewirkt haben, dass dennoch ein gutes und geordnetes Miteinander möglich war“, sagt Dr. Michelle Flohr, Dezernentin Jugend und Soziales. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt Blaustein erleben wir als sehr konstruktiv. Sollte sich die Lage künftig erneut verändern, hoffen wir, an diese gute Zusammenarbeit anknüpfen zu können.“

Rückbau bis Mitte September

Nach der Schließung beginnt der Abbau der Containeranlage sowie der Rückbau der Außenanlagen. Die Pachtverträge für die Grundstücke enden Mitte September. Für den Abbau und Abtransport der 76 Container werden voraussichtlich sechs bis acht Wochen benötigt.
 
Die Schließung der Gemeinschaftsunterkunft in Herrlingen ist Teil einer bedarfsgerechten Anpassung der Unterbringungsstrukturen im Alb-Donau-Kreis. „Das war auch aus Sicht der Stadt immer wichtig“, sagt Bürgermeister Menz. „Die Unterbringung von Geflüchteten war und ist für unsere Kommune eine große organisatorische und finanzielle Herausforderung. Wir mussten in kurzer Zeit zusätzliche Infrastruktur schaffen, Verwaltungsprozesse anpassen und zugleich sicherstellen, dass die städtischen Strukturen nicht überlastet werden. Dass uns das gemeinsam mit dem Alb-Donau-Kreis gelungen ist, zeigt, wie wichtig eine enge Abstimmung und ein verlässlicher Austausch zwischen Landkreis, Stadt und Zivilgesellschaft sind.“

Zugangszahlen gehen weiter zurück

Innerhalb der vergangenen zwölf Monate wurden bereits neun Unterkünfte mit insgesamt 312 Plätzen geschlossen. Im Laufe dieses Jahres sind darüber hinaus vier weitere bedarfsorientierte Schließungen geplant. Dadurch wird die Gesamtkapazität um weitere 195 Plätze reduziert. Ziel ist eine effizientere und bedarfsgerechte Nutzung der vorhandenen Unterbringungsstrukturen.
 
Die Entwicklung der vergangenen Jahre im Alb-Donau-Kreis zeigt den rückläufigen Trend: Nach einem sehr hohen Zugang im Jahr 2023 mit rund 1.300 Personen sanken die Zahlen 2024 auf 743 und 2025 auf 528 Personen.
 
Mit Blick auf die internationale Lage bleibt die Entwicklung dennoch nur begrenzt vorhersehbar. Trotz anhaltender weltpolitischer Konflikte und des fortbestehenden Kriegsgeschehens in der Ukraine sind die Zugangszahlen derzeit insgesamt rückläufig; eine größere neue Fluchtbewegung nach Deutschland ist aktuell nicht erkennbar. Gleichwohl kann sich die Lage jederzeit kurzfristig ändern.

Integration bleibt Daueraufgabe

Sinkende Zugangszahlen bedeuten jedoch keine Entlastung in allen Bereichen. Viele der geflüchteten Menschen leben weiterhin im Landkreis. Die Aufgaben verlagern sich zunehmend auf Integration und langfristige Teilhabe. Das betrifft insbesondere den angespannten Wohnungsmarkt, aber auch Kinderbetreuung, Schulen, Sprachförderung, soziale Beratung und die Integration in Arbeit. Diese Aufgaben bestehen dauerhaft und binden weiterhin erhebliche Ressourcen in den Kommunen und in der Landkreisverwaltung.
 
„Der Alb-Donau-Kreis ist insgesamt gut aufgestellt“, so Dr. Michelle Flohr. „Die enge Zusammenarbeit von Landkreis, Städten und Gemeinden, das große ehrenamtliche Engagement sowie Angebote wie Integrationsmanagement, Dolmetscherpool und Behördenlotsen bilden ein stabiles Fundament. Dieses Netzwerk wollen wir auch künftig pflegen und weiterentwickeln, um auf mögliche Veränderungen der internationalen Lage vorbereitet zu sein.“