Trockenheit setzt Gewässer und Grundwasser im Alb-Donau-Kreis unter Druck
Die anhaltende Trockenheit hinterlässt deutliche Spuren im Alb-Donau-Kreis: Flüsse und Bäche führen außergewöhnlich wenig Wasser, Quellschüttungen gehen zurück und die Grundwasserstände sinken. Die aktuelle Lage zeigt, wie wichtig eine vorausschauende Wasservorsorge ist – auch mit Blick auf die langfristige Sicherung der öffentlichen Trinkwasserversorgung.
Nach dem Lagebericht des Niedrigwasser-Informationszentrums Baden-Württemberg (NIZ) vom 21. Oktober 2026 wurde landesweit an 45 Prozent der erfassten Pegel an Flüssen und Bächen extremes Niedrigwasser gemessen. Weitere 42 Prozent wiesen sehr niedrige Wasserstände auf.
Auch im Alb-Donau-Kreis sind die Auswirkungen deutlich erkennbar. So wurden an der Donau am Pegel Berg bei Ehingen in diesem Herbst Abflüsse verzeichnet, die unter den niedrigsten Werten des Vergleichszeitraums von 1991 bis 2024 liegen. Auch die Quellschüttung des Blautopfs in Blaubeuren befindet sich auf niedrigem Niveau und geht weiter zurück. Infolge des niedrigen Wasserstands der Iller sinken zudem die Grundwasserstände an den Wasserfassungen im Bereich der sogenannten „Illerschiene“.
Niederschlagsdefizit belastet den Wasserhaushalt
Ursache der angespannten Situation ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut. Im September 2026 fielen in Baden-Württemberg durchschnittlich nur rund 19 Millimeter Niederschlag. Das entspricht etwa 27 Prozent der üblichen Septembermenge von 70 Millimetern. Auch im Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate zeigt sich ein erhebliches Defizit: Es fehlen rund 350 Millimeter Niederschlag und damit etwa 27 Prozent der mittleren Jahresniederschlagsmenge im Bezugszeitraum von 1991 bis 2020.
Die Folgen zeigen sich in Flüssen und Seen ebenso wie im Boden und im Grundwasser. Bleibt der Regen über längere Zeit aus, gehen die Abflüsse in vielen Gewässern zurück. Gleichzeitig fehlt Wasser, das im Boden versickern und zur Neubildung des Grundwassers beitragen könnte. Einzelne Niederschläge können die Situation kurzfristig entspannen, die über Monate entstandenen Defizite jedoch nicht ohne Weiteres ausgleichen.
Grundwasser braucht Zeit zur Erholung
Auch die Grundwassersituation bleibt angespannt. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) lagen die Grundwasserstände und Quellschüttungen Ende September landesweit auf sehr niedrigem Niveau. An zahlreichen Messstellen wurden niedrige oder rückläufige Werte registriert. Besonders betroffen sind unter anderem die Schwäbische Alb und Oberschwaben.
Da sich Grundwasser vor allem im Herbst und Winter neu bildet und häufig mit zeitlicher Verzögerung auf Niederschläge reagiert, hängt eine nachhaltige Erholung wesentlich von den Regen- und Schneemengen der kommenden Monate ab.
Die Entwicklung macht deutlich, dass Wassermangel nicht allein ein Thema der Sommermonate ist. Niedrigwasser in Flüssen und sinkende Grundwasserstände können sich zeitlich unterschiedlich entwickeln, verdeutlichen aber gemeinsam die Bedeutung eines langfristig verantwortungsvollen Umgangs mit der Ressource Wasser.
Masterplan Wasserversorgung schafft Grundlagen für die Zukunft
Eine wichtige Grundlage, um die öffentliche Trinkwasserversorgung an die Folgen des Klimawandels anzupassen, ist der Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg. Er untersucht den aktuellen Zustand der öffentlichen Wasserversorgung und prognostiziert die Situation für das Jahr 2050.
Dazu werden das verfügbare Wasserdargebot und der voraussichtliche Wasserbedarf gegenübergestellt. Berücksichtigt werden unter anderem Grundwasserstände, Quellschüttungen, die Bevölkerungsentwicklung und der künftige Trinkwasserbedarf, insbesondere an besonders heißen Tagen mit hohem Verbrauch.
Ziel ist es, Trinkwasser auch künftig zuverlässig, in guter Qualität und zu einem angemessenen Preis bereitzustellen. Die Verantwortung für die öffentliche Wasserversorgung liegt bei den Kommunen. Der Masterplan liefert ihnen wichtige fachliche Grundlagen und Handlungsempfehlungen, um die Versorgungssicherheit langfristig zu verbessern. Dazu gehören beispielsweise die Prüfung zusätzlicher Wasserressourcen und eine bessere Absicherung für den Fall, dass einzelne Bezugsquellen ausfallen.
Wie wichtig vorausschauendes Handeln ist, zeigen die Ergebnisse des Klimachecks im Rahmen des Masterplans: Nach Angaben des Umweltministeriums muss im Jahr 2050 bei rund 50 Prozent der Kommunen während langanhaltender Hitze- und Trockenperioden mit erheblichen Engpässen bei der Deckung des Spitzenbedarfs an Trinkwasser gerechnet werden, sofern keine geeigneten Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Handlungsbedarf besteht teilweise bereits heute. So verfügen viele Kommunen und Wasserversorger nach Angaben des Ministeriums nicht über eine ausreichende zweite Versorgungsmöglichkeit, auf die sie bei Störungen oder in Krisensituationen zurückgreifen könnten.
Wasservorsorge ist eine gemeinsame Aufgabe
Die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig es ist, Wasserressourcen nachhaltig zu schützen und sich auf künftig häufiger auftretende Trockenperioden vorzubereiten. Dabei sollte hochwertiges Trinkwasser vorrangig dort eingesetzt werden, wo seine hohe Qualität tatsächlich erforderlich ist. Für andere Zwecke können, soweit möglich und geeignet, alternative Wasserressourcen genutzt werden.
Auch private Haushalte können einen wichtigen Beitrag leisten. Ein sparsamer Umgang mit Trinkwasser, die Nutzung von Regenwasser zur Gartenbewässerung und eine klimaangepasste Gartengestaltung helfen, den Wasserverbrauch zu reduzieren. Unter bestimmten Voraussetzungen kann Regenwasser auch für die Toilettenspülung oder die Waschmaschine genutzt werden.
Gleichzeitig sind Kommunen und Wasserversorger gefordert, ihre Versorgungskonzepte regelmäßig zu überprüfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung umzusetzen. Der Masterplan Wasserversorgung bietet hierfür eine wichtige fachliche Grundlage.
Wasserentnahmeverbot endet am 31. Oktober
Trotz der weiterhin niedrigen Wasserstände wird das Landratsamt Alb-Donau-Kreis die geltende Rechtsverordnung zur Beschränkung der Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern und Quellen nicht verlängern. Das Wasserentnahmeverbot läuft damit wie vorgesehen am 31. Oktober 2026 aus.
Hintergrund ist, dass mit dem Ende der Gartensaison die Wasserentnahmen aus Flüssen und Bächen deutlich zurückgehen. Da im November erfahrungsgemäß kaum noch Wasser aus den Gewässern entnommen wird, hält die untere Wasserbehörde eine Verlängerung der Rechtsverordnung derzeit nicht mehr für erforderlich.
Das Auslaufen des Verbots bedeutet jedoch keine Entwarnung für die Gewässer. Die Wasserstände bleiben weiterhin niedrig. Für eine nachhaltige Erholung des Wasserhaushalts sind ausreichende Niederschläge in den kommenden Monaten entscheidend.
Weiterführende Informationen
Aktuelle Informationen zu Wasserständen, Abflüssen, Grundwasser und zur Niedrigwasserentwicklung veröffentlicht das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg unter https://niz.baden-wuerttemberg.de/.
Informationen zur Grundwassersituation und zu weiteren Umweltthemen sowie aktuelle Pressemitteilungen stellt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg unter https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/pressemitteilungen bereit.
Weitere Informationen zum Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg bietet das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft unter https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/wasser/wasser-und-klimawandel/masterplan-wasserversorgung.


