Der Haushalt für 2026 im Überblick
Mit einem Gesamtvolumen von rund 381 Millionen Euro erreicht der Kreishaushalt erneut ein sehr hohes Niveau. Gleichzeitig steht der Landkreis vor anhaltend großen finanziellen Herausforderungen. Trotz umfangreicher Konsolidierungsmaßnahmen und steigender Einnahmen gelingt auch im vierten Jahr in Folge kein ausgeglichener Haushalt.
Der Ergebnishaushalt 2026 weist ein Defizit von rund 2,7 Millionen Euro aus. Damit bleibt der Haushalt zwar genehmigungsfähig, die finanziellen Spielräume des Landkreises sind jedoch weitgehend ausgeschöpft. Rücklagen und Liquidität werden bis zum Jahresende 2026 vollständig aufgebraucht sein.
Die Haushaltsrede von Landrat Heiner Scheffold können Sie hier (PDF | 248,8 KB) herunterladen und nachlesen.
Strukturelle Schieflage setzt sich fort – Sozialausgaben steigen stark
Die Ursachen für das anhaltende Defizit liegen vor allem in einer weiterhin ungebremsten Ausgabendynamik bei gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtaufgaben. Insbesondere die Sozialausgaben entwickeln sich deutlich stärker als die Einnahmen. Der Zuschussbedarf im Sozialhaushalt überschreitet erstmals die Marke von 100 Millionen Euro und steigt gegenüber dem Vorjahr um rund 15,3 Millionen Euro. Haupttreiber sind die Eingliederungshilfe, die Sozialen Hilfen sowie die Kinder- und Jugendhilfe.
Demgegenüber stehen positive Entwicklungen auf der Einnahmenseite: Die Steuerkraftsumme der Kreisgemeinden wächst um rund elf Prozent, wodurch die Einnahmen aus der Kreisumlage um etwa 10,6 Millionen Euro steigen. Hinzu kommen Mehreinnahmen von rund drei Millionen Euro aus der Grunderwerbsteuer sowie eine gestiegene Ausschüttung der OEW in Höhe von 14,7 Millionen Euro. Zudem ist der Alb-Donau-Kreis derzeit schuldenfrei.
Trotz dieser positiven Effekte gelingt es nicht, den Ergebnishaushalt auszugleichen. Um das Defizit zu begrenzen, hatte der Kreistag bereits im Vorfeld ein umfassendes Konsolidierungspaket beschlossen. Ab 2026 wirken Einsparungen in Höhe von rund 5,6 Millionen Euro, unter anderem durch Kürzungen bei Sachkosten, organisatorische Anpassungen sowie einen deutlichen Stellenabbau in der Kreisverwaltung. Rechnerisch werden allein für das Haushaltsjahr 2026 rund 31 Stellen eingespart.
ÖPNV unter hohem Kostendruck
Ein weiterer wesentlicher Belastungsfaktor bleibt der öffentliche Personennahverkehr. Der Zuschussbedarf für den ÖPNV liegt 2026 bei rund 16,6 Millionen Euro. Hauptursachen sind gestiegene Energie- und Fahrzeugkosten sowie neue gesetzliche Vorgaben, insbesondere zur Beschaffung emissionsfreier Fahrzeuge. Trotz bereits beschlossener Einsparmaßnahmen gelingt es lediglich, das Defizit zu stabilisieren.
Der Alb-Donau-Kreis hatte sein ÖPNV-Angebot in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Angesichts der angespannten Haushaltslage wird das Angebot nun stärker bedarfsgerecht ausgerichtet. In verkehrsschwachen Zeiten und auf weniger genutzten Strecken wird reduziert, während Hauptachsen und wichtige Pendlerverbindungen erhalten bleiben. Ziel ist es, die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum zu sichern, ohne den Kreishaushalt weiter übermäßig zu belasten.
Kreisumlage steigt moderat
Zur Sicherung der Handlungsfähigkeit hat der Kreistag einer Anhebung der Kreisumlage um zwei Prozentpunkte von 27,5 auf 29,5 Prozent zugestimmt. Trotz dieser Erhöhung bleibt die Kreisumlage weiterhin deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Ohne die vom Land Baden-Württemberg gewährte einmalige Entlastung aus dem „Pakt zur Stärkung der Kommunalfinanzen“ hätte die Umlage deutlich stärker angehoben werden müssen.
Landrat Heiner Scheffold betonte, dass es sich dabei um eine notwendige, aber maßvolle Entscheidung handle. Ziel sei es, einen genehmigungsfähigen Haushalt zu sichern und einen drohenden Verwaltungsnotbetrieb zu vermeiden. Die strukturellen Probleme der kommunalen Finanzen könnten jedoch nicht auf Kreisebene gelöst werden. Bund und Land seien gefordert, die Finanzierung gesetzlicher Aufgaben dauerhaft neu zu ordnen.
Investitionen mit klarer Priorisierung
Trotz der angespannten Haushaltslage hält der Alb-Donau-Kreis an wichtigen Zukunftsinvestitionen fest. Für 2026 sind Investitionen in Höhe von rund 23,3 Millionen Euro vorgesehen. Schwerpunkte sind:
- das Alb-Donau Klinikum mit rund 10 Millionen Euro
- Maßnahmen an Kreisstraßen und Radwegen mit 5,3 Millionen Euro
- Investitionen in Schulen, Verwaltungsgebäude und die Digitalisierung
Im Bildungsbereich stehen insbesondere sonderpädagogische Einrichtungen im Fokus. Für die Sanierung und Erweiterung der Astrid-Lindgren-Schule sind 451.000 Euro eingeplant, für die Schmiechtalschule in Ehingen 200.000 Euro. Zudem werden 500.000 Euro für die Prüfung einer möglichen Erweiterung der Magdalena-Neff-Schule bereitgestellt.
Gesundheitsversorgung bleibt zentrale Aufgabe
Das größte Zukunftsprojekt des Landkreises bleibt der Neubau des Alb-Donau Klinikums in Ehingen. Mit einem Gesamtvolumen von rund 370 Millionen Euro handelt es sich um die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Alb-Donau-Kreises. Der Kreishaushalt 2026 berücksichtigt hierfür ebenso Mittel wie für die Modernisierung der bestehenden Klinikstandorte und den Bau eines Arbeitskräftewohnheims in Ehingen.
Positiv wirkt sich aus, dass der Betriebskostenzuschuss für das Klinikum 2026 erneut gesenkt werden konnte und mit 4,8 Millionen Euro den niedrigsten Stand seit 2019 erreicht. Dennoch bleibt der Krankenhausbereich aufgrund der strukturellen Unterfinanzierung des Gesundheitswesens ein erheblicher Belastungsfaktor für den Kreishaushalt.
Verantwortung in schwierigen Zeiten
Landrat Heiner Scheffold machte deutlich, dass der Haushalt 2026 einen Wendepunkt markiert: „Wir stehen vor der größten haushaltspolitischen Herausforderung in der Geschichte des Alb-Donau-Kreises. Bund und Land übertragen den Kommunen immer mehr Aufgaben, ohne sie ausreichend zu finanzieren. Die Folge ist eine strukturelle Schieflage, die wir mit lokalen Sparmaßnahmen allein nicht beheben können. Dennoch tragen wir Verantwortung dafür, handlungsfähig zu bleiben. Priorisieren heißt, ehrlich zu entscheiden, was wir uns noch leisten können – und was nicht. Unser Ziel ist es, die Substanz unseres Landkreises zu erhalten, zentrale Zukunftsprojekte wie die Gesundheitsversorgung und die Infrastruktur zu sichern und dabei generationengerecht mit den knappen Ressourcen umzugehen. Das erfordert Mut, Klarheit und die Bereitschaft, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen.“


