Fischsterben in der Ach: Untersuchungen weisen auf Zusammenspiel mehrerer Faktoren hin

In der Ach zwischen Schelklingen und Blaubeuren wurden am ersten Juliwochenende Dutzende tote Bachforellen entdeckt. Die untere Wasserbehörde veranlasste daraufhin die Analyse von Wasserproben aus verschiedenen Abschnitten der Ach sowie von einigen verendeten Fischen. Die Ergebnisse der Untersuchungen liegen nun vor: Die Tiere sind erstickt, vermutlich bereits einige Tage vor dem Fund. Eine einzelne, eindeutig nachweisbare Ursache konnte bislang jedoch nicht festgestellt werden. Vielmehr kommen mehrere Faktoren infrage, die sich möglicherweise gegenseitig verstärkt haben.

Erwärmung des Gewässers als möglicher Faktor
Eine mögliche Rolle könnte der Regen gespielt haben, der einige Tage vor dem Fund niederging. Straßen, Dächer und andere an den öffentlichen Kanal angeschlossene Flächen waren infolge der vorangegangenen Hitzeperiode stark aufgeheizt. Das abfließende Niederschlagswasser könnte sich dadurch erwärmt und zeitweise zu einem vergleichsweise warmen Zustrom in die Ach geführt haben. Bachforellen reagieren empfindlich auf hohe und insbesondere auf rasch ansteigende Wassertemperaturen. Steigt diese jedoch schlagartig an, können wenige Grad bereits tödliche Auswirkungen haben.

Zum Zeitpunkt des Fischsterbens führte die Ach infolge der vorangegangenen Trocken- und Hitzeperiode nur wenig Wasser. Dadurch erwärmt sich ein Gewässer schneller, während zugleich weniger Sauerstoff im Wasser zur Verfügung steht. Darüber hinaus ist nicht auszuschließen, dass der Regen Schlamm, Pflanzenreste und weiteres organisches Material aufgewirbelt oder in das Gewässer eingetragen hat. Der Abbau solcher Stoffe verbraucht Sauerstoff und könnte den Sauerstoffgehalt in der Ach zusätzlich verringert haben.

Starkes Wachstum des Wasserkrauts
Auch das in der Ach vorhandene Wasserkraut könnte zu den ungünstigen Bedingungen beigetragen haben. In diesem Jahr ist ein verstärktes Wachstum der Wasserpflanzen zu beobachten. Tagsüber produzieren Wasserpflanzen durch Photosynthese Sauerstoff. In der Nacht und in den frühen Morgenstunden verbrauchen sie dagegen selbst Sauerstoff. Bei einer großen Pflanzenmenge kann dies insbesondere bei geringer Wasserführung zu deutlichen Schwankungen des Sauerstoffgehalts führen. Ob und in welchem Umfang dieser Effekt beim Fischsterben eine Rolle spielte, lässt sich rückblickend jedoch nicht sicher bestimmen.

Erhöhte Nitritwerte festgestellt
Bei den Wasseruntersuchungen wurden zudem erhöhte Nitritwerte festgestellt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der unteren Wasserbehörde nahmen am Fundtag und in den darauffolgenden Tagen Proben an mehreren Stellen der Ach – unter anderem oberhalb und unterhalb der Kläranlage sowie entlang des Gewässerverlaufs ab dem Quellbereich in Urspring.
 
Nitrit beeinträchtigt den Sauerstofftransport im Körper der Fische und kann dadurch zu Sauerstoffmangel führen. Bereits kurz nach der Quelle wurden Nitritkonzentrationen gemessen, die für empfindliche Fischarten wie die Bachforelle kritisch sein können (0,03mg/l). Im weiteren Verlauf der Ach nahmen die gemessenen Werte auf 0,09 mg/l und oberhalb von Schelklingen auf 0,12 mg/l zu. Da somit schon deutlich oberhalb der Kläranlage erhöhte Werte festgestellt wurden, kommt diese nach derzeitigem Kenntnisstand nicht als Ursache der Nitritbelastung infrage.

Der Stoff kann auf verschiedene Weise in einem Gewässer entstehen: Einerseits bei der Verstoffwechslung von Ammonium, das beispielsweise durch Niederschläge von gedüngten Feldern in Gewässer eingetragen werden kann. Bakterien wandeln, wenn ausreichend Sauerstoff vorhanden ist, Ammonium zu Nitrit und anschließend zu Nitrat um. Der zweite Umwandlungsschritt kann sich unter ungünstigen Bedingungen verzögern, unter anderem wenn Sauerstoffmangel, eine geringe Verdünnung aufgrund eines niedrigen Wasserpegels oder ungünstige PH-Werte vorliegen. Zudem verbraucht dieser Umwandlungsprozess selbst zusätzlichen Sauerstoff. Andererseits kann beim Abbau organischen Materials, wie Pflanzenresten, Nitrit entstehen. Der Regen könnte zuvor organisches und stickstoffhaltiges Material eingetragen haben.

Ursache lässt sich nicht abschließend bestimmen
Nach derzeitigem Stand ist davon auszugehen, dass das Fischsterben nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückzuführen ist. Wahrscheinlicher erscheint ein Zusammenspiel mehrerer ungünstiger Bedingungen: die geringe Wasserführung, hohe Temperaturen, mögliche Sauerstoffschwankungen, organisches Material im Gewässer sowie die erhöhten Nitritwerte. Diese Faktoren könnten sich gegenseitig verstärkt und die Lebensbedingungen für die Bachforellen innerhalb kurzer Zeit erheblich verschlechtert haben. Welche Bedeutung die einzelnen Faktoren hatten und welcher davon letztlich ausschlaggebend war, lässt sich anhand der vorliegenden Untersuchungsergebnisse nicht abschließend klären. Die untere Wasserbehörde wird in Kürze erneut Wasserproben in der Ach entnehmen und die Wasserqualität weiter beobachten.