Corona-Pandemie: Landkreis überschreitet Vorwarnstufe

Landratsamt bereitet Allgemeinverfügung zur Teilnehmerbegrenzung im öffentlichen und privaten Raum vor

Der Alb-Donau-Kreis und der Stadtkreis Ulm haben mit einem Inzidenzwert von 38,5 gestern die Vorwarnstufe überschritten. Im Stadtkreis Ulm lag der Wert mit 43,6 deutlich darüber. Entsprechend der Beschlüsse der Bundeskanzlerin und der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 14. Oktober 2020 bereitet das Landratsamt Alb-Donau-Kreis eine Allgemeinverfügung vor, welche eine restriktive, starke Teilnehmerbegrenzung insbesondere für Feierlichkeiten im Familien- und Freundeskreis in privaten und öffentlichen Räumen vorsieht.

Dies geschieht in enger Abstimmung mit dem Stadtkreis Ulm. Aktuell arbeiten Vertreterinnen und Vertreter der beiden Gebietskörperschaften an der konkreten Umsetzung der Maßnahmen. Die Allgemeinverfügungen für den Landkreis und den Stadtkreis werden voraussichtlich am kommenden Montag, den 19. Oktober 2020, in Kraft treten.
 
Zugleich wird der Personaleinsatz innerhalb des Landratsamtes für die Unterstützung des Gesundheitsamts nochmals erhöht.
 
Landrat Heiner Scheffold sagt dazu: „Die Situation ist ernst. Der starke Anstieg der Infektionszahlen hat gezeigt, dass sich die Pandemie rasch ausbreitet. Es kommt jetzt überall darauf an, die Infektionsdynamik unter Kontrolle zu halten. Wir möchten einen zweiten Lockdown unter allen Umständen verhindern. Noch haben wir es in der Hand, das Infektionsgeschehen positiv zu beeinflussen. Dazu erlassen wir die Allgemeinverfügung. Steigen die Fallzahlen weiter, müssen wir entlang der Beschlüsse von Bund und Ländern weitergehende Maßnahmen ergreifen. Ich appelliere noch einmal an alle Bürgerinnen und Bürger, weiterhin konsequent die AHAL-Regeln (Abstand-Händehygiene-Alltagsmaske-Lüften) anzuwenden.“
 
Kontaktpersonennachverfolgung ist deutlich umfangreicher geworden
Europa- und bundesweit steigen die Zahlen der Covid19-Infektionen rasant. Immer mehr Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg erreichen die Vorwarnstufe bzw. die Warnstufe mit einem Inzidenzwert von 35 bzw. 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Infektionsgeschehen im Alb-Donau-Kreis und dem Stadtkreis Ulm. Eine besondere Herausforderung stellt aktuell die Kontaktpersonennachverfolgung dar. Im Vergleich zum Frühjahr, als die Infektionsketten durch den Lockdown und die strengen Kontaktbeschränkungen limitiert waren, hat sich die Relation von Infizierten und Kontaktpersonen in den letzten Wochen deutlich verschoben. Landrat Heiner Scheffold: „Auf einen Corona-Fall kommen inzwischen rund 30 bis 100 Kontaktpersonen, die identifiziert, kontaktiert und getestet werden müssen, wie sich bei Coronafällen an den Schulen zeigt. Der Arbeitsaufwand im Gesundheitsamt und bei den Städten und Gemeinden hat sich dadurch enorm erhöht.“
 
Gleichzeitig bleibt die Gefahr durch das Virus für viele Menschen sehr abstrakt, da sie jenseits der Medienberichterstattung bislang nicht mit Corona-Fällen in Berührung gekommen sind. Dieser Umstand darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gefahr einer Überlastung der medizinischen Einrichtungen sehr real ist und unbedingt vermieden werden muss. Als Reaktion auf die Veränderung der Infektionsdynamik ergreift das Landratsamt Alb-Donau-Kreis deshalb mehrere Maßnahmen, um die Eindämmung des Virus weiterhin zu gewährleisten.
 
Personalstufenplan im Landratsamt– jetzt höchste Stufe für Unterstützung des Gesundheitsamts aktiviert / DRK unterstützt
Um den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen, ordnete Landrat Heiner Scheffold gestern die Ausrufung der höchsten Stufe des Landratsamt-internen Personalstufenkonzepts an. Dieses Konzept sieht vor, zur Verstärkung des Gesundheitsamts bis zu 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Fachdiensten abzuziehen. Dadurch kommt es in diesen Fachdiensten zu Leistungseinschränkungen.
 
Anfang kommender Woche werden dazu noch bis zu 20 Personen vom DRK kommen, die das Gesundheitsamt bei der Kontaktpersonennachverfolgung unterstützen werden. Auch eine Unterstützung durch die Bundeswehr ist vorstellbar. „Wir sind hierzu mit den entsprechenden Stellen in Kontakt“, sagte Landrat Scheffold.
 
Info Allgemeinverfügung
Eine Allgemeinverfügung ist ein Verwaltungsakt, welcher allgemein rechtsgültige Regeln zu einem bestimmten Sachverhalt enthält und für alle Bewohnerinnen und Bewohner innerhalb des Einzugsgebiets der ausführenden Behörde gilt.
 
Die Allgemeinverfügungen werden nach ihrer Beschließung auf den Webseiten des Landratsamtes Alb-Donau-Kreis und der Stadt Ulm veröffentlicht.